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Das Verwundeten-Abzeichen

 

Mit Verordnung vom 01.09.1939 stiftete Adolf Hitler das Verwundeten-Abzeichen des Zweiten Weltkrieges.

Die Stiftungsverordnung lautete wie folgt:

„Als Ehrung für diejenigen, die bei tapferem Einsatz ihrer Person für das Vaterland durch feindliche Waffeneinwirkung verwundet oder beschädigt wurden, stifte ich das Verwundeten-Abzeichen.“

Gemäß Artikel 1 dieser Verordnung wurde das Verwundeten-Abzeichen in drei Stufen verliehen:

Schwarz           für ein- und zweimalige Verwundung oder Beschädigung

Silber               für drei- und viermalige Verwundung oder Beschädigung

Gold                ab fünfmaliger Verwundung oder Beschädigung

Frühere Verwundungen oder Beschädigungen (1. Weltkrieg oder Spanieneinsatz) wurden für die Verleihung angerechnet.

Die Gestaltung des Verwundeten-Abzeichen war mit der früheren Form des Verwundeten-Abzeichens des Heeres gleich.

Mit der Durchführung der Verordnung wurden der Chef des OKW und der Staatsminister und Chef der Präsidialkanzlei beauftragt.

Am Tag der Stiftung wurden auch die Durchführungsbestimmungen vom Chef des OKW bekannt gegeben. Diese sollen hier im Wortlaut wiedergegeben werden:

„1. Die Voraussetzungen für eine Verleihung sind nicht gegeben bei Krankheits- und Unfällen, auch wenn diese vor dem Feinde – jedoch ohne Einwirkung von feindlichen Kampfmitteln - eintreten.

2. Mehrere gleichzeitig erlittene Verwundungen gelten als eine Verwundung.

3. Das silberne Abzeichen kann ohne Rücksicht auf die Zahl der Verwundungen verliehen werden, wenn die Verwundung zum Verlust einer Hand oder eines Fußes oder eines Auges führte, oder wenn sie völlige Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit zur Forlge hatte. Es kann ferner verliehen werden an Hirnverletzte und solche Kriegsbeschädigte, die abstoßend wirkende Entstellungen des Gesichts erlitten haben.

Das goldene Abzeichen kann ohne Rücksicht auf die Zahl der Verwundungen verliehen werden, wenn Verletzte als Folge von einer oder mehreren Verwundungen mehrere der in vorstehendem Absatz aufgeführte Merkmale aufweisen. Es kann ferner verliehen werden an Verletzte, die infolge Einwirkung der Kampfmittel erblindet oder hirnverletzt  sind und Pflegezulage empfangen.

4. Es darf nur die zuletzt verliehene Stufe des Verwundetenabzeichens getragen werden. (Das Verwundetenabzeichen des Weltkriegs und das Verwundetenabzeichen für Spanienkämpfer sind demnach bei Neuverleihungen abzulegen.)“

 

Unabhängig von der Anzahl der Verwundungen konnten die Silber- und die Goldstufe auch bei folgenden Ausnahmen direkt verliehen werden:

Gold:

- bei völliger Erblindung durch Unfall jeder Art in Ausübung des Dienstes

- ggf. bereits nach der dritten Verwundung

- bei Hirnverletzungen, wenn Pflegezulage gewährt wurde

- bei Querschnittslähmung

- bei Zeugungsunfähigkeit durch doppelten Hodenverlust, wenn dies besonders schwere Folgen für den Verwundeten hat

Silber:

- bei Amputation infolge Erfrierungen, wenn diese bei Kampfhandlungen an der Ostfront oder im Kampfeinsatz an allen übrigen Fronten oder im Bandenkampf eintraten

- bei Verlust oder dauernder Unbrauchbarkeit eines Armes, eines Beines, eines Fußes oder eine Hand bei einer einmaligen schweren Verwundung

- bei Verlust oder dauernder Unbrauchbarkeit eines Auges

- bei Taubheit oder an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit

- bei Hirnverletzungen

- bei Verlust der Zeugungsunfähigkeit

 

Die Verleihung des Verwundeten-Abzeichens erfolgte durch den jeweiligen Disziplinar-Vorgesetzten vom Bataillonskommandeur aufwärts. Es konnte auch durch die zuständige Sanitätsdienststelle, unter Benachrichtigung des Truppenteils, verliehen werden, so dass sich auf den Urkunden meist die Unterschriften von Militärärzten finden.

Die Verleihung war in den Wehrpass, in das Wehrstammbuch, in die Kriegsstammrolle, in die Kriegsrangliste und in die Personalpapiere der Offiziere einzutragen.

Eine postume Verleihung konnte nicht erfolgen. Über die Verleihung wurde ein Besitzzeugnis ausgestellt.

 Bis zum Ende des Krieges erfolgten noch zahlreiche Ergänzungen zu den Bestimmungen.

11.10.1939 -  auch Angehörige der Waffen-SS und der Polizei, die der Wehrmacht unterstellt waren, konnten bei Vorliegen der Vorraussetzungen mit dem Verwundeten-Abzeichen ausgezeichnet werden. Verleihungsberechtigt war der jeweilige Bataillonskommandeur oder höher.

27.10.1939 - Verwundungen durch feindliche Waffeneinwirkung sind solche gleichzustellen, welche in Verbindung mit eigenen Kampfhandlungen ohne eigenes Verschulden durch eigene Kampfmittel entstanden sind.

27.04.1940 - das Verwundeten-Abzeichen kann auch an Angehörige der Organisation Todt und des Reichsarbeitsdienstes verliehen werden, wenn diese bei Arbeiten am Westwall durch feindliche Waffeneinwirkung verwundet wurden. Am 21.05.1940 wurde diese Bestimmung auf Gefolgschaftsmitglieder der Festungspionier- und Nachrichtenstäbe einschließlich Unternehmer-Arbeiter und am 06.06.1940 auf Angehörige der Technischen Nothilfe ausgedehnt.

30.08.1940 - das Verwundeten-Abzeichen kann auch an Angehörige der Deutschen Reichsbahn verliehen werden.

23.12.1940 - Adolf Hitler bestimmt, dass das Verwundeten-Abzeichen in Gold auch für im Dienste der Wehrmacht erlittene Erblindungen verliehen werden kann, auch wenn die Erblindung bei Unfällen ohne Einwirkung von feindlichen Kampfmitteln entstanden ist. Am 26.03.1941 wurde diesbezüglich bestimmt, dass das Verwundeten-Abzeichen bei Unfällen nur verliehen werden kann, wenn diese zur Erblindung führten. Anderweitige Beschädigungen durch Unfälle konnten nicht mit dem Verwundeten-Abzeichen bedacht werden.

13.02.1941 - die Verleihung wird dahingehend eingegrenzt, dass das Verwundeten-Abzeichen nur für Verwundungen oder Verletzungen verliehen werden kann, welche durch unmittelbare Auswirkung feindlicher Waffen entstanden sind. Verletzungen, z.B. beim Löschen von Bränden, die durch feindliche Waffen entstanden, konnten nicht zur Verleihung des Verwundeten-Abzeichens führen.

26.09.1941 - das Verwundeten-Abzeichen kann auch an ausländische Freiwillige verliehen werden, welche der Deutschen Wehrmacht unterstehen.

24.01.1942 - Adolf Hitler reagiert auf die Härte des Winterfeldzuges in Russland und bestimmt, dass auch Erfrierungen im Zusammenhang mit Kampfhandlungen zur Verleihung des Verwundeten-Abzeichens führen können, wenn diese ernste und dauernde Schäden (z.B. Amputationen) verursachen.

20.04.1942 – das Verwundeten-Abzeichen kann auch an Angehörige der Polizei verliehen werden, wenn dies im Operationsgebiet eingesetzt und der Wehrmacht unterstellt sind oder, sofern sie nicht der Wehrmacht unterstellt sind, wenn sie im Rahmen militärischer Aktionen wie Soldaten im Kampf verwendet werden. Weiterhin kann es an Angehörige der Sicherheitspolizei und des SD verliehen werden, wenn die Verwundung im Einsatz in nicht befriedeten Gebieten erfolgt.

03.11.1942 – auch Soldaten als Wehrmachtsstrafgefangene im Strafvollzug, insbesondere in Feldstrafgefangenenabteilungen, Strafvollstreckungszügen und Feldstraflagern sowie Angehörige von Feldsonderbataillonen können mit dem Verwundetenabzeichen bei Vorliegen der Voraussetzungen ausgezeichnet werden.

11.03.1943 – Erweiterung des Kreises der verleihungsberechtigten Personen auf Anregung von Dr. Goebbels auf Männer, Frauen und Kinder, welche durch Feindeinwirkung im Heimatkriegsgebiet verwundet werden; zur Hebung der Moral der Bevölkerung (rückwirkend ab dem 01.09.1939).

25.05.1943 – Erweiterung des Kreises der verleihungsberechtigten Personen auf Nichtwehrmachtsangehörige, die durch feindliche Waffeneinwirkung in den besetzten Gebieten sowie im Generalgouvernement und Protektorat verwundet werden.

15.11.1943 – Verleihung des Verwundeten-Abzeichens an Juden und jüdische Mischlinge 1. Grades kommt nicht in Betracht. Juden und jüdische Mischlinge 2. Grades – auch Nichtwehrmachtsangehörige – können dagegen mit dem Verwundeten-Abzeichen ausgezeichnet werden.

15.12.1943 – Definition des „tapferen Einsatzes“: „ist überall da als vorliegend anzusehen, wo nicht ein offensichtlicher Mangel an Bewährung – z.B. durch feiges Verhalten – festgestellt wird.

03.03.1944 – Einbeziehung von, auf den Führer vereidigten, ausländischen Hilfswilligen und Soldaten, die in deutschen Einheiten eingesetzt sind.

16.05.1944 – Einbeziehung von Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes und sonstiger Organisationen, die der Wehrmacht unterstehen und im Einsatz verwundet werden.

Das Verwundeten-Abzeichen konnte auch an verwundete deutsche Kriegsgefangene verliehen werden, welche aufgrund zwischenstaatlicher Kriegsgefangenenabkommen in die Heimat zurückkehrten.

Die wohl letzte Zusammenfassung aller Bestimmungen erfolgte in Form eines Merkblattes am 01.02.1945.

 

Das Verwundetenabzeichen wurde an der linken Brustseite getragen. Es konnte auch zu den Uniformen der Partei und ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände getragen werden. Zur Zivilkleidung konnte eine Miniaturnadel am linken Rockaufschlag getragen werden.

 

Der Entwurf des Verwundeten-Abzeichens stammt von Eduard Hanisch-Concée (Bildhauer und Leiter der Klasse für Medaillenkunst an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin).

Von Kriegsbeginn bis etwa Anfang 1940 wurde die hohlgeprägte 1. Form des Verwundeten-Abzeichens von C.E. Juncker, Berlin ausgeliefert. Dieses war wie folgt gestaltet:

Ovale Form. Vorderseitig im Zentrum auf punktiertem Grund ein Stahlhelm M 16 mit einem auf der Spitze stehenden Hakenkreuz. Dieser auf zwei gekreuzten Schwertern mit römischen Parierstangen aufgelegt. Eingefasst durch einen Lorbeerkranz, welcher oben durch 5 Früchte getrennt wird und unten mit einer Schleife gebunden ist. Die Schwertergriffe liegen unten auf dem Lorbeerkranz auf und berühren diesen oben mit den Klingen. Rückseitig hohlgeprägt mit senkrechter Nadel.

Anfang 1940 wurde die 2. Form ausgeliefert. Die Vorlagenmuster der Fa. C.E. Juncker erhielt die Fa. Steinhauer & Lück, Lüdenscheid von der Präsidialkanzlei. Die Stufe Schwarz war weiterhin hohlgeprägt, wohingegen die Stufen Silber und Gold massiv gefertigt wurden. Aufgrund dieser Vorgaben fertigte die Fa. Steinhauer & Lück sodann die Werkzeuge, welche den von der Präsidialkanzlei bestimmten Lieferfirmen übersandt wurden.  Die 2. Form war wie folgt gestaltet:

Ovale Form. Vorderseitig im Zentrum auf fein punktiertem Grund ein Stahlhelm M 35 mit einem auf der Spitze stehendem Hakenkreuz. Dieser auf zwei gekreuzten Schwertern mit römischen Parierstangen aufgelegt. Eingefasst durch einen Lorbeerkranze, welcher oben durch 4 Früchte wird und unten mit einer Schleife gebunden ist. Die Schwertergriffe liegen unten auf dem Lorbeerkranz auf und berühren diesen oben den Klingen. Die Stufe Schwarz rückseitig hohlgeprägt; die Stufen Silber und Gold massiv gefertigt.

Entgegen den Bestimmungen, dass die Stufen Silber und Gold massiv zu fertigen sind, sind inoffizielle Exemplare aus vergoldetem Weißmetall bzw. aus versilbertem Messingblech bekannt. So wurde die Fa. Otto Schickle, Pforzheim (ehemals L/15) wegen verbotener Hohlprägung ausgeschlossen.

Die Stufe Schwarz wurde aus Eisen gefertigt. Die Stufen Silber und Gold zunächst aus Tombak; Anfang 1944 erfolgte hier die Umstellung auf Feinzink.

 

 

 

 

 

 

 

Als Hersteller des Verwundeten-Abzeichens gibt Jörg Nimmergut folgende Firmen an:

 Liste des Bundesarchivs, ohne Zuordnung der Stufen:

- C.E. Juncker, Berlin

- Paul Meybauer, Berlin

- Heinrich Wander, Gablonz a.d. Neiße

- Arthur Jäckel, Gablonz a.d. Neiße

- Gustav Brehmer, Markneukirchen

- Karl Wurster, Markneukirchen

- Wächtler & Lange, Mittweida

- Hugo Lang, Wiesenthal

- Ludwig Bertsch, Karlsruhe

- B.H. Mayer, Pforzheim

- Arbeitsgemeinschaft Pforzheim der Galvaniseur-, Gürtler- und Emailleur-Innung

- Karl Hensler, Pforzheim

- Liefergemeinschaft Pforzheimer Schmuckhandwerker-Innung

- Moritz Hausch, Pforzheim

- C.H. Zimmermann, Pforzheim

- Frank & Reif, Stuttgart

- Paulmann und Crone, Lüdenscheid

- Julius Maurer, Oberstein

- Argentor-Werke Rust & Hetzel GmbH, Wien

- Arno Wallpach, Salzburg

- Josef Feix & Söhne, Gablonz a.d. Neiße

 

Verwundetenabzeichen in Schwarz:

- Steinhauer & Lück, Lüdenscheid (Punze „4“, rücks. im Stahlhelm links)

- Alois Rettenmaier, Schwäbisch-Gmünd (Punze „16“, rücks. im Stahlhelm links)

- W. Hobacher, Wien (Punze „32“, rücks. im Stahlhelm oben rechts)

- Klein & Quenzer, Idar-Oberstein (Punze „65“, rücks. im Stahlhelm links unten)

- Overhoff & Cie., Lüdenscheid (Punze „81“, rücks. im Stahlhelm links unten)

- Werner Redo, Saarlautern (Punze „88“, rücks. im Stahlhelm links)

- Richard Simm & Söhne, Gablonz (Punze „93“, rücks. im Stahlhelm links unten)

- Wilhelm Deumer, Lüdenscheid (Punze „L 11“, rücks. im Stahlhelm links)

- Hymmen & Co., Lüdenscheid (Punze „L/53“, rücks. im Stahlhelm)

 

Verwundetenabzeichen in Silber:

- Steinhauer & Lück, Lüdenscheid (Punze „4“, rücks. auf der Nadelaußenseite eingeschlagen)

- Hauptmünzamt Wien (Punze „30“, rücks. mittig erhaben geprägt oder eingeschlagen)

- Klein & Quenzer, Idar-Oberstein (Punze „65“, rücks. unterhalb des Nadelhakens)

- Josef Rückert & Sohn, Gablonz (Punze „92“, rücks. eingeschlagen)

- Carl Wild, Hamburg (Punze „107“, rücks. oberes Drittel)

- Wilhelm Deumer, Lüdenscheid (Punze „L 11 auf der Rückseite)

- Friedrich Orth, Wien (Punze „L 14“ auf der Rückseite)

- Förster & Barth, Pforzheim (Punze „L/21“ rücks. überhalb des Nadelhakens erhaben geprägt)

- Fritz Zimmermann, Stuttgart (Punze „L 24“ auf der Rückseite)

 

Verwundetenabzeichen in Gold:

- Hauptmünzamt Wien (Punze „30“, rücks. unter dem Nadelhaken erhaben geprägt oder mittig eingeschlagen)

- Josef Rückert & Sohn, Gablonz (Punze „92“ auf der Rückseite)

- Carl Will, Hamburg (Punze „107“ auf der Rückseite)

- Wilhelm Deumer, Lüdenscheid (Punze „ L 11“ auf der Rückseite)

- Friedrich Orth, Wien (Punze „L 14“ auf der Rückseite)

 

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