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Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/1942“ (Ostmedaille)


Die deutschen Streitkräfte erzielten im Jahre 1941 nach Beginn des Ostfeldzuges (22.06.1941, Unternehmen Barbarossa) große Erfolge und fügten den Sowjets durch die Kesselschlachten erhebliche Verluste zu. Mitte November kam es durch den Schlamm zu Stockungen und Anfang Dezember 1941 kam der Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Grund der Kälte und der mangelnden Winterausrüstung der deutschen Verbände zum Stehen. Die Deutschen erlitten durch die Witterung und die besser ausgerüsteten Sowjets starke Verluste an Mensch und Material und waren zum langsamen Rückzug gezwungen. Diese Krise konnte erst nach Einsetzen der Schlammperiode im März 1942 überwunden werden.


Um der Anerkennung der großen Leistungen des deutschen Frontsoldaten sichtbaren Ausdruck zu verleihen, stiftete Adolf Hitler mit Verordnung vom 26.05.1942 die „Medaille Winterschlacht im Osten (Ostmedaille)“. In der Verordnung hieß es: „In Würdigung des heldenhaften Einsatzes gegen den bolschewistischen Feind während des Winters 1941/42 stifte ich die Medaille für die „Winterschlacht im Osten 1941/42 (Ostmedaille).“ Sie war Anerkennung für die Bewährung im Kampf gegen den bolschewistischen Feind und den russischen Winter in dem Zeitraum vom 15.11.1941 bis 14.04.1942 (laut Klietmann: 15.04.42).


Die Durchführungsbestimmungen des OKW vom gleichen Tag bestimmten u.a., dass neben den Angehörigen der
Deutschen Wehrmacht auch Angehörige einer ausländischen Wehrmacht, auf den Führer vereidigte ausländische Freiwillige und Freiwillige fremder Volksstämme aus den befreiten Ostgebieten verleihungsberechtigt waren. Mit Bestimmung vom 29.09.1942 wurde der Kreis der Verleihungsberechtigten auch auf Nicht-Wehrmachtsangehörige, wie z.B. Frauen und ausländische Firmenarbeiter erweitert. Die Medaille konnte auch an gefallene und unverschuldet in Kriegsgefangenschaft geratene deutsche Wehrmachtsangehörige verliehen werden.
Vorraussetzung für die Verleihung waren: 1. eine mindestens 14-tägige Teilnahme an Gefechten. Für fliegendes Personal der Luftwaffe galten 30 Feindflüge. 2. Verwundung oder Erfrierung, für die bereits das Verwundetenabzeichen verliehen worden war oder 3. Bewährung in einem sonstigen ununterbrochenen Einsatz von 60 Tagen. Die Erfüllung einer dieser Vorrausetzungen musste in dem v.g. Zeitraum vom 15.11.41 bis 14.04.42 im Gebiet ostwärts des Bereiches der Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine und Ostland oder im Operationsgebiet Finnland ostwärts der finnisch-russischen Grenze von 1940 erfolgt sein.


Da die Fertigstellung der Medaille einige Zeit in Anspruch nahm, kam von Mitte August 1942 bis Mitte 1943 zunächst nur das Band der Ostmedaille zur Verleihung. Dieses war wie folgt gestaltet: breiter roter Streifen, schmaler weißer Streifen, etwas breiterer schwarzer Streifen, schmaler weißer Streifen, breiter roter Streifen. Das Rot symbolisierte das Blut, das Weiß den Schnee und das Schwarz stand für die Trauer um die Gefallenen. Die Frontsoldaten interpretierten die Farben sarkastisch etwas anders: Schwarz für die Rollbahn, Weiß für den Schnee und Rot für die Rote Armee links und rechts der Rollbahn.


Zu Beginn der Verleihungen kam es zu zahlreichen Fehlinterpretationen der Verleihungsbestimmungen, so dass vom OKW wiederholt eingegriffen werden musste. Es erging u.a. die Entscheidung, dass die Ostmedaille nach o.g. Ziff. 3 der Verleihungsbestimmungen (Einsatz von 60 Tagen) nicht verliehen werden kann, wenn dieser Zeitraum durch einen Urlaub oder eine Dienstreise unterbrochen wurde. Auch dann nicht, wenn die restliche Dauer des Einsatzes diese 60 Tage deutlich übersteigt. Die Erfüllung der Verleihungskriterien war in jedem Fall genauestens zu Prüfen und enge Maßstäbe anzulegen.
Am 04.09.1944 wurde der Endtermin für die Verleihung der Ostmedaille auf den 15.10.1944 festgelegt.
Im Falle des Todes des Beliehenen war die Ostmedaille nicht rückgabepflichtig. Sie verblieb zum Andenken bei den Angehörigen. Bei der posthumen Verleihung wurden Urkunde und Medaille den nächsten Angehörigen direkt übersandt.
Über die Verleihung wurde eine Urkunde ausgestellt.
Die Ostmedaille konnte wie das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse oder das Kriegsverdienstkreuz Zweiter Klasse am Band im Knopfloch sowie an der großen und kleinen Ordensspange getragen werden.


Adolf Hitler startete einen Wettbewerb um die Gestaltung der Ostmedaille. Die ihm vorgelegten 96 Entwürfe namhafter Professoren entsprachen jedoch nicht seinen Vorstellungen. In der Ordenskanzlei wurde erst hiernach Ende April der „Kriegsberichter der LAH“ Ernst Krause gebeten, Entwürfe für die Medaille vorzulegen. Ernst Krause war mit 22 Jahren
als jüngster Künstler auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 1942 vertreten. Dort fiel er Hitler durch ein Gruppenbild „Die RK-Träger der LAH“ auf. Aufgrund eiligst angefertigter Entwürfe, die sofort Hitler vorgelegt wurden, erhielt Ernst Krause den Auftrag die Medaille zu entwerfen.
Die Ostmedaille ist rund und hat einen ca. 1,5mm bis 2,0mm breiten versilberten Rand und ist vorderseitig dunkel getönt und schlüsselartig vertieft geprägt. Auf glattem Grund im Zentrum befindet sich ein stilisierter Hoheitsadler mit nach rechts gewandten Kopf und gesenkten Flügeln. In den Fängen hält er ein gerade stehendes Hakenkreuz, hinter welchem ein Lorbeerzweig liegt. Oben mitgeprägt befindet sich ein silberfarbener Stahlhelm auf einer quer liegenden grauen Stielhandgranate. Die Rückseite ist gewölbt. Stielhandgranate und Helm sind identisch gestaltet. Im Zentrum der Medaille befindet sich auf glattem Grund die Inschrift „WINTERSCHLACHT / IM OSTEN / 1941/42“. Darunter liegen gekreuzt ein Schwert und ein Lorbeerzweig.

Es existieren vom September 1944 auch gegossene Ausführungen, sowie von Beginn des Verleihungszeitraumes seltene Ausführungen mit weiß lackiertem Stahlhelm.
 

Zu der Arbeitsweise zur Herstellung der Ostmedaille erschien im Jahr 1943 in der Zeitschrift „Schwert und Spaten“ ein Artikel. Die Herstellungsschritte der Medaillen aus Feinzink wurden wie folgt beschrieben:
1. Prägen und ausstanzen
2. Entfetten mit 50g P3 und 1L Wasser
3. Nachfeilen und kontrollieren
4. Bohren und Ring einhängen
5. Spülen mit 50g Ätznatron auf 1L Wasser, danach trocknen
6. Kratzen mit Stahlbürste und Bimsmehl
7. Sandstrahlen, jede Seite 10 Minuten
8. Elektrol, entfetten, ½ Minute spülen
9. Vermessung 20-30 Minuten
10. Kratzen mit Messingbürste
11. Tauchen in Cyanlösung (10g auf 1L Wasser)
12. Spülen, 1 Minute vorversilbern
13. Überhängen zum Fertigversilbern, ca. 15 Minuten
14. Sülen im warmen Wasser mit Weinstein (1g auf 1L Wasser)
15. Trocknen mit Buchenmehl
16. Abdecken mit Schablone, spritzen mit Spezialabdecklack
17. Kratzen, Oxydieren, mit Blitzbeize 1-2 mal tauchen
18. Leicht kratzen mit weicher Messingbürste
19. Abwaschen des Decklacks mit Lösemitteln
20. Kontrollieren und ausbessern
21. Kratzen, mit Fibrebürste abreiben. Die Silberstellen mit Natron
22. Zapponieren auf beiden Seiten (Spritzen)
23. Verpacken
Später wurde diese Herstellungsweise nach einer Empfehlung von W. Tornow, dem Leiter des Arbeitsausschusses Orden und Ehrenzeichen in der LDO, insbesondere durch eine Spritz-/ Gusstechnik wesentlich vereinfacht.
Auf Grund des zunächst sehr aufwendigen Verfahrens lagen, wie zuvor erwähnt, erst Mitte 1943 genügend Medaillen zur Ausgabe vor.


(Quellen: Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936-1945 von Kurt-G. Klietmann, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945 – Band IV von Jörg Nimmergut, Die Auszeichnungen des Großdeutschen Reiches von Dr. Heinrich Doehle)
 

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