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Das Kraftfahrbewährungsabzeichen

 

Im ersten Winter des Russlandfeldzuges waren die Staffeln und Werkstattkompanien sowie die Kraftfahrer mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert. Um den Kraftfahrern einen Ansporn zu geben und ihre Leistungen unter schwierigsten Verhältnissen zu würdigen, wurde das Kraftfahrbewährungsabzeichen durch Verordnung Adolf Hitlers am 23.10.1942 gestiftet. Es war eine Anerkennung für den Kriegseinsatz besonders bewährter Kraftfahrer. Die Stiftung erfolgte in den drei Stufen Bronze, Silber und Gold.

Mit dem Entwurf eines entsprechenden Abzeichens wurde der SS-Oberführer Werlin aus dem Persönlichen Stab d. Reichsführer SS (RFSS) beauftragt. Gleichzeitig beauftragte auch Heinrich Himmler Werlin mit dem Entwurf eines „SS-Kraftfahrabzeichens“ eigens für die Waffen-SS, welches Adolf Hitler gleichzeitig vorgelegt werden sollte. Werlin orientierte sich bei dem Entwurf für das Kraftfahrbewährungsabzeichen für die Wehrmacht an dem bereits existierenden taktischen Zeichen der Kraftfahrtechnischen Lehranstalt der SS in Wien. Lediglich die oben im Kranz befindlichen Sig-Runen wurden weggelassen. Anfang 1942 (Januar/Februar) übergab Werlin den Entwurf an Generalmajor Schmundt (Chefadjutant der Wehrmacht beim Führer) mit der Bitte um Vorlage beim Führer. Die Abzeichen für die Waffen-SS sahen eine differente Gestaltung vor. Auch wurden im SS-Führungshauptamt Verleihungsvoraussetzungen ausgearbeitet, welche sich von den entgültigen Verleihungsvoraussetzungen unterschieden. Da die Einführung des SS-Abzeichens durch den Wehrmachtsführungsstab bzw. nach einem erneuten Vorbringen durch Adolf Hitler abgelehnt wurde, soll hierauf nicht weiter eingegangen werden.

 

Das wehrmachteinheitliche Kraftfahrbewährungsabzeichen war wie folgt gestaltet:

Zwei Lorbeerzweige, mit jeweils 10 Blättern, bilden einen leicht ovalen Kranz. Die Zweige kreuzen sich unten und oben berühren sich die Blätter. Auf gekörntem Grund befindet sich im Zentrum ein Lenkrad, welches mit der Lenkstange von links etwa im 40°-Winkel hineinragt. Die Höhe beträgt etwa 44mm und die Breite etwa 40mm, wobei leichte Abweichungen möglich sind. Die Rückseite besteht aus einer gelochten Gegenplatte. Zwischen Vorderseite und Gegenplatte befindet sich eine Tuchunterlage in der Uniformfarbe der jeweiligen Truppe. Die Gegenplatte und die Tuchunterlage sind in vielen Fällen rückseitig mit Deckpapier abgeklebt. Das Abzeichen wurde mit der Tuchunterlage auf die Uniform aufgenäht. Getragen wurde es auf der Mitte des linken Unterarmes der Uniform etwa 2cm über dem jeweiligen Tätigkeitsabzeichen für das Kraftfahrpersonal bzw. über dem Ärmelaufschlag.

Das Kraftfahrbewährungsabzeichen wurde an Kraftfahrer verliehen, die sich im Kriege unter erschwerten Bedingungen beim Fahren und um die Pflege des ihnen anvertrauten Kraftfahrzeuges besondere Verdienste erworben hatten.

Vorraussetzungen für die Verleihung des Kraftfahrbewährungsabzeichens waren

a)       Einsatz ab dem 01.12.1940 in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, im Gebiet ostwärts der russischen Westgrenze von 1940) in Finnland, Norwegen nördliche des Polarkreises, im Gebiet der in Lappland eingesetzten deutschen Truppen und in Afrika. Weiterhin durch Verfügung des O.K.H. vom 09.03.1944  ein Einsatz auf Sizilien ab 01.06.1943, auf Sardinien und Korsika ab dem 01.07.1943, auf dem Festland Italien südliche der Linie Ancona – Piombino ab 01.08.1943 oder in Albanien ab 09.09.1943. Oder durch Erweiterung durch das O.K.H. vom 16.05.1944 ein Einsatz ab dem 01.02.1944 in den durch Heeresgruppenbefehl festgelegten rückwärtigen Armeegebieten und rückwärtigen Armeezonen der Heeresgruppe Nord in Estland, Lettland und Litauen. Mit Verfügung des O.K.H. vom 23.09.1944 waren ab dem 01.06.1944 Einsätze in den durch Heeresgruppenbefehl festgelegten rückwärtigen Armeegebieten an allen Fronten anzurechnen.

b)       In den v.g. Gebieten musste sich der Kraftfahrer unter besonders schwierigen Bedingungen bewähren. Die   Bewährung musste erfolgen, …

          - als Kradmelder an 90 Einsatztagen

          - als Fahrer von Kraftfahrzeugen an 120 Einsatztagen

          - als Fahrer von Kraftfahrzeugen der Trosse I an 135 Einsatztagen

          - als Fahrer von Kraftfahrzeugen der Führungs- und Versorgungsstäbe und Trosse II an 150 Einsatztagen

          - als Fahrer von Kraftfahrzeugen der Versorgungstruppen an 165 Einsatztagen.

Am 21.06.1944 wurden Kraftfahrer und Kranken-Kraftfahrer von den Kranken-Kraftfahrzügen der Divisionen bzw. von den Divisionen unterstellten Zügen (Sanitätsfahrer) den Kraftfahrern der Trosse I und II gleichgestellt. Für sie waren 150 Einsatztage Vorraussetzung für die Verleihung des Kraftfahrbewährungsabzeichens.

Als Einsatztage galten bei Vorliegen erschwerter Unterbringungs- und Instandsetzungsverhältnisse zum Beispiel:

- Fahrten unter Feindeinwirkung

- Fahrten mit besonders große Tagesleistungen an Strecke und Fahrtzeit

- Fahrten bei besonders schwierige Wegeverhältnisse oder

- Fahrten unter ungewöhnlich harten klimatischen Bedingungen.

Die Kraftfahrer mussten diesen schwierigen Bedingungen zum Trotz durch überlegene und umsichtige Fahrweise und gewissenhafte Fahrzeugpflege und Instandhaltung hervorgetreten sein.

Die Verleihung der nächst höheren Stufe setzte die nochmalige Erfüllung der geforderten Bedingungen voraus. Die vorhergehende Stufe war dann abzulegen.

Das Kraftfahrbewährungsabzeichen konnte verliehen werden an:

a) Kraftfahrer der Wehrmacht

b) Kraftfahrer (Nichtwehrmachtsangehörige), die der Wehrmacht unterstellt waren,

c) Kraftfahrer (Nichtwehrmachtsangehörige), die in den vorstehend bezeichneten, von der Wehrmacht besetzten Gebieten    eingesetzt waren

d) auf den Führer vereidigte, im Rahmen bzw. in Verbänden der deutschen Wehrmacht kämpfende ausländisch Freiwillige

e) Freiwillige fremder Volksstämme aus den von den Bolschewisten befreiten Ostgebieten und auch an entlassene Kriegsgefangene soweit diese unter dem Befehl der Wehrmacht im Rahmen bzw. in Verbänden der deutschen Wehrmacht kämpften.

Die Verleihung an Angehörige einer verbündeten oder befreundeten Wehrmacht war nicht statthaft. Posthume Verleihungen waren nicht zulässig.

Zu a) und b) waren Vorgesetzte vom Regimentskommandeur aufwärts oder selbstständige Bataillonskommandeure aufwärts verleihungsberechtigt. Diese legten für die ihnen unterstellten Einheiten die anrechnungsfähigen Einsatztage fest. Zu c), d) und e) waren die vom Staatsminister und Chef der Präsidialkanzlei zu bestimmenden Dienststellen verleihungsberechtigt.

Die Verleihung erfolgte mit einem Besitzzeugnis und wurde in die Personalpapiere, insbesondere in das Soldbuch, eingetragen. Überreicht wurde das Kraftfahrbewährungsabzeichen in einer Verleihungstüte. Das Kraftfahrbewährungsabzeichen konnte zu allen Uniformen der Partei und ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände und zu Uniformen des Staates getragen werden. Zur Zivilkleidung eine Miniaturnadel am linken Rockaufschlag getragen werden.

Da das Kraftfahrbewährungsabzeichen ein dauerhaftes Leistungsabzeichen darstellen sollte, konnte es auch entzogen werden.

Wenn die Verleihungsvoraussetzungen für das Kraftfahrbewährungsabzeichen noch nicht erfüllt waren und ein selbstverschuldeter Unfall vorlag, wurden die bis dahin bewerteten Einsatztage ungültig. Die Einsatztage durften dann erst nach Vorliegen einer sechsmonatigen einwandfreier Führung erneut bewertet werden.

War das Kraftfahrbewährungsabzeichen bereits in einer seiner Stufen verliehen, konnte es auch entzogen werden bei:

a) nachgewiesener nachlässiger Fahrzeugpflege, Instandhaltung oder Fahrweise, die zu einem vorzeitigen Materialverschleiß führte,

b) einem selbstverschuldeten Unfall durch unüberlegte und leichtsinnige Handhabung des Kraftfahrzeuges, oder

c) bei Bestrafung wegen Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit.

Hieran ist zu erkennen, welch hohe Bedeutung jedem betriebsbereitem Kraftfahrzeug zugemessen wurde, und von welcher Wichtigkeit Kraftfahrzeuge für die Kriegsführung waren. Bei erneuter Erfüllung der Verleihungsvoraussetzungen nach Entziehung des Abzeichens, konnte eine Wiederverleihung, beginnend mit der untersten Stufe in Bronze, stattfinden.

 

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